Wien x 1.000

Fridays for Future, Plastik im Meer und im Körper, vegane Ernährung – der Hype um die Rettung unseres Planeten ist voll im Gange. Alles muss grün.

Ich finde es gut und richtig, ohne Wenn und Aber, dass intensiv über Mutter Erde und den Umgang mit derselben nachgedacht wird. Zum Beispiel wenn wir Müll trennen, Plastiksackerln abschaffen und darüber nachdenken, ob es sinnvoll ist, Früchte dreimal rund um die Welt zu schicken, bevor sie bei uns landen.

Wie immer bei Hypes ist aber (jetzt hat sich doch eines eingeschlichen) auch Vorsicht geboten, Fake News sind nämlich kein exklusives Vorrecht von Rechtspopulisten, die kommen auch aus der Öko-Ecke. Und nicht alle Unternehmen, die „bio“ sind halten sich auch dran. So kommt beispielsweise Honig von Alnatura aus Südamerika. Der wird dort zwar nachhaltig produziert, verliert sein grünes Mäntelchen aber sukzessive am langen, weiten dieselgetriebenen Weg über den Atlantik. Und solche Beispiele gibt es viele.

Ein anderes: Es stimmt schon, dass in Bangladesch die Bedingungen für TextilarbeiterInnen zum Teil sehr schlimm sind. Aber wenn wir generell aufhören, Textilien, die aus solchen Ländern kommen, zu kaufen, haben die Menschen dort erst recht wieder keine Arbeit. Und machen sich auf den langen beschwerlichen Weg in die Industrieländer – als Wirtschaftsflüchtlinge.

Oder auch: einen großen Teil der Ressourcen ver(sch)wenden wir für immer großzügigeres Wohnen. Noch vor 40 Jahren war es im Mittelstand in Europa normal, mit 4 Personen auf 70 m2 zu leben. Das wird von vielen Menschen heute als Zumutung empfunden. 44,8 m2 pro Person sind in Österreich Durchschnitt und mit den Singlehaushalten steigt dieser Anspruch noch. Was das für Zement, Stahl und Co und den Energieverbrauch in der Zukunft heißt, wenn auch die restliche Weltbevölkerung so leben will – und wer will ihnen diesen Wunsch verwehren – heißt, dass wir in den nächsten Jahrzehnten weltweit mindestens rund 60, wahrscheinlich aber sogar 120 Milliarden Quadratmeter Wohnraum schaffen müssen. Und das bedeutet: Wir brauchen global gesehen um die 1.000 neue Städte so groß wie Wien!

Hier immer richtig zu agieren, ist sehr schwer. Aber die Rückkehr zur autarken Wirtschaft kleiner Dörfer wie vor 200 Jahren wird wohl auch für die wenigsten Menschen attraktives Modell sein. Was sicher funktioniert: verantwortungsvolles Handeln. Mit den Ressourcen der Erde so umgehen, als wären sie eigenes Vermögen – umsichtig und nachhaltig. Und das eigene Agieren hinterfragen und mit Hausverstand handeln. Dann wird zwar nicht alles gut, aber vieles besser.